Thema: Essstörungen

E wie Essstörung

Informationen zum Thema Essstörungen

(Definition / Kennzeichen / Behandlung)

Essstörungen betreffen eine der fundamentalsten und genussvollsten Tätigkeiten des Menschen. Essen ist für Wohlbefinden, soziales Miteinander, geistige und körperliche Leistungsfähigkeit und letztlich für das Überleben unabdingbar. Alle diese Lebensbereiche sind bei einer Essstörung beeinträchtigt. Menschen kommen seit Urzeiten zusammen, um Gemeinschaft beim Essen zu erleben. An einer Essstörung Leidende haben aber oft gerade Schwierigkeiten damit, in Gesellschaft zu essen. Sie meiden dann Situationen, in denen Ihnen Nahrung angeboten werden könnte. So können sie oft an Feiern, Verabredungen und Einladungen nicht teilnehmen und vereinsamen schrittweise. Wir Menschen essen auch, um unsere körperliche, geistige und seelische Leistungsfähigkeit aufrecht zu erhalten. Eine Essstörung beeinträchtigt genau das. Sei es durch zu viel oder zu wenig Gewicht oder durch Maßnahmen wie Erbrechen oder übermäßigen Sport. Während Essen ursprünglich eine der genussvollsten Aktivitäten des Menschen ist erleben von einer Essstörung Betroffene in aller Regel wenig Genuss, sondern Zwang, Kontrollverlust oder süchtiges Verlangen. Essstörungen beeinträchtigen also nicht nur die ganz grundlegende Tätigkeit des Essens, sondern auch daraus folgend Genussvermögen, soziale Kontakte, Leistungsfähigkeit und vieles mehr.  

Auf den ersten Blick unterscheiden sich psychogenes Übergewicht, Magersucht und Ess-Brech-Sucht oder Sportsucht stark voneinander. Tatsächlich ist das hinter diesen Essstörungen versteckte Leiden aber oft sehr ähnlich. Das Ziel ist in jedem Falle bei allen Essstörungen gleich. Essen wieder den gleichzeitig selbstverständlichen und wichtigen, aber nicht bestimmenden Stellenwert im Leben zu geben. Gelassen und voller Genuss genug und nicht zu viel zu Essen, sich dies zu erlauben und dabei Gemeinschaft zu erleben.

Gemeinsam ist den Essstörungen die ständige gedankliche und emotionale Beschäftigung mit dem Essen. Dieses kann sich:

  • in der Verweigerung der Nahrungsaufnahme zeigen (Magersucht)
  • in der übermäßigen Nahrungsaufnahme (Adipositas)
  • oder im Auftreten von Essanfällen wie bei der Bulimie und beim Binge Eating (BED).

Bei der Diagnose von Essstörungen finden wir auch mehr oder weniger häufig Maßnahmen zur Kontrolle des Essens (Diäten, Kalorienzählen, Essplan u.ä.) oder gegenregulatorische Maßnahmen (Erbrechen, Abführmittel, Sport u.ä.). Aber nicht jeder, der Sport betreibt oder einmal erbricht, hat auch eine Essstörung.
Neben diesen Kriterien liegt bei Essstörungen meistens auch eine extrem negative Einstellung zum eigenen Körper vor. Dies kann bis zur verzerrten Selbstwahrnehmung des eigenen Körperschemas gehen. Besonders ausgeprägt ist dies bei der Magersucht zu finden.
Weiterhin findet sich bei fast allen PatientInnen mit Essstörungen auch eine Beeinträchtigung der sozialen Kontakt durch die Essgewohnheiten. 

Etwa die Hälfte aller Essstörungen erfüllen nicht die vollen Kriterien einer Magersucht, Bulimie oder einer Binge Eating Störung nach dem medizinischen Krankheitskatalog ICD-10. So gibt es beispielsweise Menschen, die an einer Magersucht (Anorexie) leiden, die (noch) nicht schwer untergewichtig sind. Andere sind zwar untergewichtig, können dies aber selbst auch wahrnehmen und haben keine so große Angst vor einer Gewichtszunahme. Manche an Essanfällen Leidende haben weniger als zwei Essattacken in der Woche, die das aktuelle Klassifikationssystem für die Diagnose vorsieht. In solchen weniger eindeutigen Fällen spricht man von „Sonstigen Essstörungen“ oder „nicht näher bezeichneten Essstörungen“. Teilweise handelt es sich auch um sogenannte atypische Anorexie oder atypische Bulimie.

Essstörungen werden häufig als reine Frauenkrankheit gesehen. Lediglich bei der Adipositas finden wir diesem Vorurteil zu folge auch Männer mit Essstörungen. Richtig ist, dass die überwiegende Mehrheit der an Magersucht und Bulimie Erkrankten Frauen sind. Dennoch gibt es auch einen ganze Reihe von Männern, die an diesen Essstörungen leiden. Ob sich - wie häufig in den Medien berichtet - die Anzahl der Männer mit Essstörungen in den letzten Jahren vergrößert hat, lässt sich nach dem derzeitigen Forschungsstand nicht mit Sicherheit sagen. Je nach Studie sind zwei bis 15 Prozent der Betroffenen Männer. Bei den Übergewichtigen ist der Männeranteil allerdings größer.

Wenn eine oder mehrere der folgenden Aussagen zutreffen, können dies erste Anzeichen einer Essstörung sein. In diesen Fällen ist es ratsam, sich Hilfe zu holen und mit Geschwistern, Freunden oder Eltern zu reden.

  • Sie haben fast immer Angst, zuviel zu essen und zuzunehmen.
  • Sie kontrollieren Ihr Gewicht und reagieren auch auf geringe Zunahmen.
  • Bei Misserfolgen und/oder Enttäuschungen essen Sie, um sich besser zu fühlen.
  • Sie denken ständig ans Essen
  • Beim Essen zählen Sie dauernd wie viele Kalorien Sie gegessen haben bzw. noch essen dürfen.
  • Sie teilen Essen in „erlaubte“ und „verbotene“ Lebensmittel ein.
  • Lustbetontes, spontanes Essen gibt es bei Ihnen nicht.
  • Wenn Sie süßes oder fettes Essen zu sich nehmen, haben Sie ein schlechtes Gewissen.
  • Sie essen ohne ein Gefühl von Hunger oder Sättigung.
  • Wenn Sie essen, verlieren Sie oft die Kontrolle über die Essensmenge.

Essstörungen können eine Flucht vor tiefer liegenden seelischen Problemen sein. Oftmals ersetzen sie auch verdrängte Gefühle und Bedürfnisse und verschaffen kurzzeitig Befriedigung. Daher sind Betroffene schneller, als man denkt, der Essstörung ausgeliefert. Auf jeden Fall sollten Sie handeln und sich Hilfe suchen.

Weitergehende Informationen zu den verschiedenen Formen von Essstörungen sowie zur Behandlung finden sie weiter unten auf dieser Seite über unsere Links zum Thema Essstörung.

 

 

Essstörungen sind wie fast alle psychischen und psychosomatischen Erkrankungen einem Stigma ausgesetzt. Dies bedeutet, dass Betroffene sich oft Unverständnis oder sogar Ablehnung ausgesetzt sehen. Für die Gesundung ist dies nicht hilfreich. Auch aus diesem Grunde verfolgen wir unser Konzept, ausschließlich Patienten mit Essstörungen aufzunehmen. Dieses hat den Vorteil, dass Betroffene sich nicht lange erklären müssen und mit einem grundsätzlichen Verständnis und Angenommensein für ihre Erkrankung rechnen können. So können sie in einer Gemeinschaft ohne Stigmatisierung lernen, die Essstörung loszulassen und alternative Lösungen für die zugrunde liegenden Probleme zu finden.
Des weiteren können Sie feststellen das es auch bei Essstörungen ein Kontinuum vom normalen bis zum extrem essgestörtem Verhalten gibt. Das auch eine Verbesserung schon ein Erfolg sein kann und das die Essstörung in der Regel einer längeren Behandlung bedarf.

Oft fällt es Essgestörten schwer, sich Hilfe zu suchen, zum einen weil man sich noch nicht krank genug fühlt (mir geht es doch noch gar nicht so schlecht, ich brauche doch noch keine Therapie), zum anderen weil es einem peinlich ist oder weil man glaubt, sowieso nichts ändern zu können. Das Gefühl der eigenen Unzulänglichkeit ist auch ein typisches Merkmal von Essstörungen. So können Essstörungen auch eine Flucht vor tiefer liegenden seelischen Problemen sein. Oftmals ersetzen sie verdrängte Gefühle und Bedürfnisse und verschaffen (zumindest) kurzzeitig Befriedigung. 

Erste Anlaufstationen

Eine erste Anlaufstation - gerade wenn Sie unsicher sind - können entsprechende Foren sein, aber auch Selbsthilfegruppen bieten eine unproblematische Informations- und Hilfemöglichkeit. Sie können dort viele Menschen kennen lernen, denen es ähnlich geht wir Ihnen.

Professionelle Hilfe / Behandlung

Professionelle Hilfe können Sie über unsere Therapeutensuche finden oder Sie sprechen mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt.

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